Stillen – die Quelle des Lebens

Neugeborene finden rasch den Weg zur Brust, die ihnen Nahrung, körperliche Nähe, Geborgenheit, Sicherheit und ihren ersten Eindruck der Welt gibt. Dieses unbezahlbare Geschenk von Herzen deinem Baby zu geben, ist eine der dankbarsten und erfüllendsten Erfahrungen des Mamaseins! Es wird eine ganz intensive Verbindung zwischen euch beiden aufrechterhalten. Egal ob du dich dazu entscheidest Wochen, Monate oder Jahre zu stillen: es ist die erste Möglichkeit deinem Kind ein Geschenk zu geben, das ihm während seines ganzen Lebens zugute kommt.

Die ersten 3 Tage nach der Geburt fließt die sogenannte Vormilch, das Kolostrum, das sehr wertvoll für dein Baby ist. 

  • Es enthält Fettsäuren, Wachstumshormone, Vitamine, Antikörper und immunaktive Zellen, die den empfindlichen Darm und die Atemwege deines Kindes schützen. Es sorgt für den optimalen Aufbau der Darmflora und für die Reifung des Darms.
 
  • Die kleinen Portionen des Kolostrums sind genau richtig für die Größe des Magens deines Neugeborenen.
 
  • Kolostrum schützt dein Neugeborenes vor Unterzuckerung, fördert die Ausscheidung des ersten Stuhlgangs, dem Mekonium, das aufgrund seiner klebrigen Konsistenz auch „Kindspech“ genannt wird und schützt so vor Neugeborenengelbsucht.
 
  • Die kleinen Mengen an Kolostrum erleichtern den Lernprozess deines Babys um Saugen, Schlucken und Atmen zu koordinieren, bevor die Brust dick und prall wird und die Brustwarze schwieriger zu greifen ist.
 

Nach ca. 2 – 3 Tagen „schießt“ die Milch ein.

  • Die Brüste werden prall und schwer. Eine Verwandlung auf die mancher „Busenstar“ neidisch sein könnte. Es kann auch sein, dass deine Brüste spannen und deinem Baby kann es schwerfallen, richtig “anzudocken”, also die ganze Brustwarze samt Warzenvorhof in den Mund zu nehmen. Viel Hautkontakt erleichtert den Still-Start.
 
  • Es ist Aufgabe deines Kindes die Milchproduktion anzuregen. Die Natur hat alles eingerichtet. Stille nach Bedarf! Die Nachfrage regelt das Angebot. Je häufiger das Baby angelegt wird, desto mehr Milch wird produziert. Dabei ist es wichtig, wenn möglich, nicht zusätzlich Flaschenmilch zu geben. Dies würde die Muttermilchmenge verringern und du bleibst langfristig beim Zufüttern.
 
  • Hier ein paar Möglichkeiten, um die Milchproduktion mit sanften Mitteln anzuregen: Stilltees, Malzbier, Bockshornklee, Homöopathie und Stress abbauen. Höre in dich hinein, vielleicht bekommst du eine Antwort.
 
  • Muttermilch passt sich den Bedürfnissen deines Kindes an.
 
  • Stillen in der Nacht ist normal und gibt ausreichend Energie für neue Entwicklungsschritte.
 
  • Clusterfeeding bedeutet gehäufte kleine Stillmahlzeiten unterbrochen von nur kurzen Pausen – besonders in den Abendstunden und/oder während der Wachstumsschübe. Es ist kein Zeichen dafür, dass du nicht genug Milch hast.
 
  • Das Saugen an der weichen Brust fördert eine gute Kieferentwicklung und ist ein hervorragendes Training für die Mundmuskulatur.
 
  • Falls die Brüste zu prall und schmerzhaft werden sollten, kann eine warme Dusche oder eine Massage angenehm sein. Fühlt sich die Brust heiß an, besteht die Gefahr einer Brustentzündung. Topfenwickel (Quark) oder mein absoluter Favorit frische Kohlblätter, nehmen die Hitze und Entzündung. Auch Homöopathie kann sich dazu eignen – jedoch nur nach Rücksprache mit deinem Arzt oder der Hebamme.
 
  • Muttermilch enthält ausreichend Wasser und Mineralien. Auch an heißen Tagen oder wenn dein Kind Fieber hat. Bei Krankheit werden mit der Muttermilch spezifische Antikörper weitergegeben. Der optimale Aufbau der Darmflora wird weiter gefördert.
 
  • Muttermilch ist zudem auch oft ein Heilmittel, denn das Bakterienwachstum in Wunden kann gehemmt werden. Muttermilch kann auf schlecht heilende Wunden, wunde Brustwarzen, Pickel oder auf den entzündeten Bauchnabel geträufelt werden. Auch bei Bindehautentzündung im Auge kann es verwendet werden. Ich habe die Muttermilch als Badezusatz und zum Einschmieren verwendet und bei laufender Nase auch in die Nase eingetropft.
 

Es können während den ersten Wochen einige Herausforderungen auf dich zukommen. Wichtig ist eine positive Einstellung zum Stillen zu behalten. Sollten Beschwerden auftreten, schau hin und werde dir bewusst, dass dir etwas aufgezeigt wird. Stress ist ein häufiger Grund für weniger Milch oder Milchstau. Deshalb lege ich dir ans Herz gerade in den ersten Lebensmonaten jegliche Hektik, übermäßig viel Besuch oder Termine soweit es geht zu vermeiden. Du und dein Baby seid in dieser Zeit ein besonders sensibles Gespann und benötigt in erster Linie einen ruhigen, angenehmen Tagesablauf. Auch Unterstützung im Haushalt oder bei der Betreuung von Geschwistern durch den Partner, Großeltern, Familie und Freunde hilft dabei, ein harmonisches Umfeld zu erschaffen, in dem du und dein Baby euch wohl fühlt. Der Papa kann sich aktiv einbringen beim Spazierengehen/Tragen, im Arm halten und wiegen, beim Aufstoßen oder auch beim Baden des Babys.

Lass dir bitte nicht einreden, dass dein Kind durch das Stillen zu stark an dich gebunden wird – das Gegenteil ist eher der Fall: Durch die Sicherheit, die dein Kind auf diese Weise bekommt, ist es früher frei, seine eigenen Wege zu gehen.

Lass dich von deinem Herzen leiten, denn du machst alles richtig. Lass Stillen zu deiner KRAFTQUELLE für inneren Frieden und Ruhe werden. Es schafft eine Verbundenheit, die ein Leben lang anhält.

Tipps

Rund ums Stillen

  • Setze oder lege dich entspannt zum Stillen hin. Wähle eine Position, in der ihr euch beide wohlfühlt.
 
  • Stimme dich ganz auf dein Kind ein. Bleib im Hier und Jetzt und genieße diesen Augenblick inniger Vertrautheit.
 
  • Genieße das Stillen als Zeit der Meditation und Kommunikation mit deinem Kind.
 
  • Wenn du nicht weißt, welche Brust du dem Baby geben beim nächsten Mal geben sollst, mach es einfach nach Gefühl. Du wirst sehen, dass du ein Gefühl dafür bekommst. Und mit der Zeit wird dir dein Baby ganz deutlich zeigen, welche Brust es haben möchte.
Young mother breastfeeding her baby on sofa at home
 
  • Nach dem Stillen kannst du einen Tropfen Milch herausdrücken und auf der Brustwarze trocknen lassen. Damit vermeidest du wunde Brustwarzen. Verwende keine Seife oder Desinfektionsmittel auf der Brust. Dein Baby möchte deinen Hautgeruch wahrnehmen.
 
  • Du kannst auch eine lanolinhaltige Salbe bei wunden Brustwarzen verwenden. Sie ist eine Wohltat, die vor und/oder nach dem Stillen aufgetragen werden kann und muss nicht abgewaschen werden.