Warum Babys weinen

Kein anderes Ereignis setzt so viel Lebens- und Liebeskraft frei wie die Geburt. Die ersten Tage und Wochen sind so wichtig um einander kennenzulernen. Es ist wichtig im Fluss zu sein und absolut im Jetzt zu leben. Jedes Kind bringt viel Neues mit und wir dürfen offen sein und bleiben, um unser Kind zu verstehen.

Viele Eltern mit denen ich spreche erzählen mir, dass ihr Baby weitaus mehr weint als sie sich das vorgestellt haben. Sie fühlen sich ratlos, hilflos, müde und enttäuscht. Uns ging es ebenso. Ungefähr 4 Wochen nach Geburt fing das abendliche Weinen an. Meistens gegen 19:00 Uhr. Wir rätselten was unser Baby Abend für Abend zum Weinen bringt, denn die Windel war gewechselt, der Hunger/Durst gestillt, der Bauch war weich, also auch keine Bauchschmerzen. Wir reagierten mit beruhigenden Maßnahmen wie singen. Wir haben ihn abwechselnd in der Wohnung auf und ab getragen, die Spieluhr aufgedreht und das Bäuchlein massiert. In unserem Möglichkeiten fehlten nur noch Tipps wie “Fön einschalten”, mit dem Staubsauger durch die Wohnung zu sausen und Spazierfahrten mit dem Auto. Nichts hat geholfen, denn trotz der liebevollen Rundumbetreuung war er nicht zufrieden und hat weiter geweint. Ich war wirklich verzweifelt, habe geheult, weil ich nicht wusste, was es sein könnte und ich war wütend auf mich, dass ich nicht erkannte, was mir mein Kind sagen möchte. Ich dachte, dass es nicht sein kann, dass wir täglich 2 Stunden das Procedere durchmachen. Dieses Gefühl, dass es nicht „normal“ ist und es einen Grund für das Weinen geben muss, lies mich nicht los. Ich wollte die Tränen besser verstehen können.

Tragen im Tragetuch oder mit Tragehilfe ist eine großartige Unterstützung und ich bin im Internet auf eine Hebamme aufmerksam geworden, die uns mit ihrem Beitrag sehr geholfen hat. Mir wurde bewusst, dass unser Kind die große weite Welt noch nicht versteht und er nicht nur körperliche, sondern auch seelisch-geistige Bedürfnisse hat. Das Weinen hat tiefer liegende Gründe. Babys nehmen genau wahr, was um sie herum geschieht – mit allen Licht- und Schattenseiten. Die vielen Eindrücke vom Tag, die Momente der Überforderung – wie soll das Baby diese verarbeiten können, wenn es nicht darüber reden darf? Wohin mit dem Kummer? Hinunterschlucken? Wie soll sich das Baby äußern, mitteilen, wenn nicht durch Weinen? Das Baby hat ein Recht auf seine Tränen. Das Baby braucht jemanden der ihm zuhört. Es möchte aussprechen, was ihm auf dem Herzen liegt. Es will nicht zum fünften Mal die Spieluhr hören oder etwas trinken, wenn es doch erzählen möchte, dass ihm zum Beispiel die große Welt noch Angst macht. Dein Baby will gesehen und gehört werden!

Ein großes Danke für diesen wertvollen Beitrag!